„Oberinspektor Chen macht ebenso süchtig wie Commissario Brunetti."

Christian von Zittwitz
Focus

Oberinspektor Chen Cao will eigentlich Schriftsteller werden. Doch die Partei entscheidet anders, Chen landet bei der Kriminalpolizei. Schon mit Anfang 30 wird er zum Oberinspektor befördert und bekommt ein Apartment nur für sich allein – auch bei der Wohnungsvergabe zahlt sich parteitreues Verhalten in China aus. Er ist zuständig für die besonders delikaten Fälle, bei denen das Wohl des chinesischen Staatsapparats auf dem Spiel steht. Trotz aller Loyalität gegenüber der Partei ist Chen kein angepasster Kader, sondern arbeitet unbeirrbar und unbestechlich daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen – auch wenn er am Ende manchmal Kompromisse eingehen muss. Wie sein italienischer Kollege Commissario Brunetti ist Chen Feinschmecker. Seine Ermittlungen führen ihn immer wieder in die Gar- und Suppenküchen, aber auch die gehobenen Restaurants Shanghais.

Ein Dichter, der Kriminalromane schreibt, in denen der Inspektor zur Entspannung Gedichte verfasst

Qiu hat sich mit Chen ein sympathisches Alter Ego geschaffen, denn der Ermittler ähnelt seinem geistigem Vater in vielerlei Hinsicht: Beide sind in Shanghai geboren, entgehen der kulturrevolutionären Landverschickung, bringen sich Englisch im Shanghaier Bund Park bei, lieben gutes Essen, schreiben Gedichte, übersetzen englische Kriminalromane und sind Mitglieder im chinesischen Schriftstellerverband. Im Unterschied zu Qiu Xiaolong muss Chen seine Leidenschaft für Literatur allerdings am Feierabend pflegen – zum Glück für uns Leser, denn sonst gäbe es ja keinen Oberinspektor Chen, auf dessen Spuren wir Shanghai so hautnah erleben können!

   
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